solche und solche Reisen / Wahrnehmungen - Der Mensch als Tourist

“Tut mir leid, aber das ist alles Theorie. Wo bleibt das wahre Leben,
das gelebte Leben? Wenn man um die Welt reist hat man andere
Bezugspunkte, andere Perspektiven, die Möglichkeit wahrhaft zu
verstehen, worüber man labert, den Dingen eine fundierte Basis durch
Erlebtes zu geben.”
Du meinst also, dass nur reisendes Leben wahres Leben ist?
Dementsprechend müsstest du dann chronisch unterwegs sein :-) Und wie das Licht in Griechenland strahlt, ist mir echt wurscht. Ich
bewundere lieber, wie sich die Sonnenstrahlen hier ihre Wege durch
Wälder und Nebel bannen. Bringt mir persönlich mehr.
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“außerdem können wir selbst selektieren und müssen uns nicht auf
jenes Beschränken, was aus der Sicht anderer für die Allgemeinheit
von Bedeutung sein könnte, wobei aber das Fernsehen schon eine Art
Tür für die Erschließung der Welt darstellen kann.”
Sag ich doch. Jeder selektiert selbst. Und ich hab selektiert, dass
mich das Reisen jetzt nicht interessiert, weil ich andere Prioritäten
habe. Fernsehen tu ich übrigens nur sehr selten und schon gar keine
Reisedokumentationen.
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“Naja, die Massen, hast Du die Chance jeden Einzelnen kennenzulernen,
um ihn der Norm Masse zuordnen zu können. imho ist es ein Fehler, die
Masse irgendwie einkategorisieren zu wollen, das Ergebnis können nur
Vorurteile sein.”
Wieso Vorurteile? Die Masse ist per Definition die Mehrheit und je
nach Situation gehört man dazu oder nicht. Dass da automatisch ein
Vorurteil inbegriffen sein sollte, seh ich als Vorurteil deinerseits :-) ———–
“Zu dem was Du schreibst, die fünf Sinne, andere Gerüche, anderes
Lebensgefühl, auch für die Mallorcareisenden, ich nehme an, das sind
die, die Du meinst… Auch sie haben schon mal ihren Horizont
erweitert, das Leben kann auch leichtlebig sein.”
Hast du schon mal deine Nase an eine Eiche im Frühling bemüht oder
den Geruch eines nebligen Sumpfes im Herbst wahrgenommen? Weisst du
wie wunderschön ein Sonnenuntergang in den Alpen ist und wie frei man
sich über den Wolken fühlt? Bist du mal im Frühling durch die Alpen
gegangen und hast hinter jeder Biegung unzählige Wasserfälle aufgrund
der Schneeschmelze gesehen? Ist dir überhaupt bewusst, wie sich die
einheimische Flora und Fauna mit den Jahreszeiten verändert oder ist
für dich der einzige Unterschied Schnee, Regen und Sonne? Weisst du,
wie man sich an einen Hirsch anschleichen kann, um ihn auf freier
Wildbahn zu bewundern ohne ihn gleich Essen zu wollen? Weisst du, wo
du Dachse, Hasen, Füchse oder Steinmarder findest? Wieviele
Nachtohreulen hast du schon beim Fliegen lernen beobachtet und mit
wievielen Krähen oder Elstern warst du schon befreundet? Kennst du
das Gefühl von Morgentau auf deiner Haut, wenn du die ganze Nacht
durch gewandert bist, um den Vollmond zu geniessen? Sind dir schon
stundenlang Fledermäuse auf der Jagd um die Ohren gezischt? Kennst du
den Geruch eines sauberen Bergsees kurz bevor er zufriert? Ich könnte
diese Reihe endlos fortführen.
Ich bin der Meinung, dass man in seiner Heimat genau so viel
Interessantes findet. Oder wie Goethe schon meinte: “Willst du immer
weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück
ergreifen, Denn das Glück ist immer da.”
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“Ich bin der Meinung, dass ein Intellektueller nicht um das Reisen
umhinkommt. Und zu dem einzig und allein, hat das irgendjemand
behauptet?”
Deine Aussage, dass nur Gereiste wahrhaftig diskussionsfähig seien,
legte das nahe. Ausserdem finde ich diese neue formulierte Meinung
von dir, dass Intellektuelle nicht um das Reisen herumkommen geradezu
borniert und beispielhaft für falsche Vorurteile.
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“Naja, immerhin bist Du kein Nazi.”
Sollte das nun eine intellektuelle Mutmassung sein? *lol* Warum soll
jemand, der die Natur seiner Heimat liebt ein Nazi sein? Alle
Nichtreisenden, die die Heimat lieben sind Nazis? oder wie? Ausserdem
bin ich Schweizerin mit östlicher Abstammung (Ungarn, Rumänien,
Sibirien, Mongolei) und keine Deutsche *ggg*
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“Was laberst Du denn dann rum, ich könnte, will aber nicht Reisen,
wenn Du jetzt sagst, evtl. wenn ich Rentnerin bin. Das ist nicht sehr
logisch.”
Was genau daran ist unlogisch? Ich könnte jetzt Reisen, wenn ich
wollte, aber ich habe keine Lust. Ich ziehe es allerdings in
Betracht, dass es mich später interessieren könnte. Denn ich habe die
Erfahrung gemacht, dass manche Menschen sich ändern :-) ———–
“Naja, vielleicht hast Du die Erfahrungen und Einsichten die man
durch das Reisen gewinnen kann auch in den Genen… Ist aber
spychologisch schon interessant, dass ausgerechnet dann Du, nicht die
Freiheit, sondern das säßhafte Leben liebst :-)”
Wie das genetisch gehen sollte, erschliesst sich mir nicht. Unterm
Strich find ich aber intellektuelle Reisen in die theoretischen
Gefilde von Geist und Wissenschaften interessanter als das
körperliche Umherziehen. Und wie würdet ihr Reisewilligen heute
Reisen können, wenn nicht die Theoretiker die Infrastruktur dafür
erdacht hätten?
Dass Reisen mehr Freiheit bedeutet als Sesshaftigkeit ist schon
wieder ein Vorurteil deinerseits. Reisen bedeutet, sich auszubreiten.
Aber ich verstehe schon, dass man das auch mit Freiheit verwechseln
kann. Ist halt immer eine Sache der Wahrnehmung und des geistigen
Horizonts :-) Ich persönlich bevorzuge die Freiheit, mich dem Reisehype nicht
unterwerfen zu müssen und die heimatlichen sowie mentalen
Landschaften zu erforschen.

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Date posted: Freitag, Mai 16th, 2008 09:06 | Under category: Allgemein
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