Wir alle sind Yahoos! - Yahoo schreibt erneut rote Zahlen [Updat…
Die ältesten Rechte [an dem Namen Yahoo] dürfte wohl Jonathan Swift
(1667 bis 1745), anglo-irischer Schriftsteller und Geistlicher, für
sich verbuchen. Entgegen der von Yang und Filo verbreiteten Legende,
bei Yahoo! handele es sich um eine Art Freudenruf, verbirgt sich
hinter dem jeden Anglistik-Studenten im zweiten Semester bekannten
Begriff eine Gattungsbezeichnung.
In der unzensierten Version seines zunächst unter Pseudonym
erschienenen Bestsellers “Gullivers Reisen” finden sich nämlich neben
den Kinder-kompatiblen Kapiteln Reise nach Liliput und Reise ins Land
der Riesen auch die Reisen zu den Wissenschaftlern und die ins Land
der Houyhnhnms (sprich: “Hwinnimms”).
Bei denen handelt es sich bekanntlich um die vernunftbegabten, ja
weisen Pferde, durch die Gulliver endlich und endgültig die
Schmutzig- und Minderwertigkeit der menschlichen Rasse begreift. In
jenem schönen Land halten sich die Houyhnhnms in ihrer Güte
verabscheuungswürdige Wesen namens Yahoos, die sabbernd und wild
durch die Gegend kopulierend jeden Funken Anstand, Verstand und Seele
vermissen lassen. Erst als ein Yahoo-Weibchen versucht, Gulliver zu
vergewaltigen, begreift er:
Wir alle sind Yahoos
Per definitionem könnten wir alle, als Vertreter der Gattung Homo
sapiens sapiens, also für uns das Namensrecht an Yahoo beanspruchen:
Dabei handelt es sich um nichts anderes als das Wort “Mensch” in der
Sprache der vernünftigen Pferde. In den glorreichen Früh-Achtzigern
wäre es spätestens an diesem Punkt zur Gründung einer Kampagne
gekommen: “Auch ich bin ein Yahoo!”, mit entsprechenden Buttons et
cetera. Beim Misanthropen Swift hingegen steht der Yahoo für all das
in der menschlichen Natur, was unvernünftig, triebhaft, lächerlich
oder hässlich ist.
(Quelle:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,160850,00.html)
Date posted: Montag, September 15th, 2008 18:02 | Under category: Allgemein
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